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333 Stunden Arbeit — für 678 Euro mehr?

Eine Modellrechnung für eine Familie mit drei Kindern in Wien: Was bleibt im Monat, wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten — und was, wenn keiner arbeitet?

01 — Der Vergleich

Dieselbe Familie, zwei Varianten

Verglichen wird eine Familie mit drei Kindern im Alter von 3, 10 und 12 Jahren in Wien. In der ersten Variante arbeiten beide Eltern Vollzeit und verdienen jeweils 2.251 € brutto. In der zweiten arbeitet kein Elternteil, und die Familie bezieht die entsprechenden Sozialleistungen.

Beide Eltern Vollzeit
5.103 €
monatlich verfügbar — zwei Nettolöhne, Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag und Familienbonus Plus.
Kein Erwerbseinkommen
4.424 €
monatlich verfügbar — Mindestsicherung, Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag, Kinderzuschlag und Mietbeihilfe.
02 — Die Rechnung

Posten für Posten

Monatlich verfügbares Haushaltseinkommen, Modellrechnung
PostenKein Erwerbs­einkommenBeide Vollzeit
Mindestsicherung2.718,05 €—
Netto Mutterinkl. Sonderzahlungen—2.073,00 €
Netto Vaterinkl. Sonderzahlungen—2.073,00 €
Familienbeihilfe491,60 €491,60 €
Kinderabsetzbetrag3 × 70,30 €210,90 €210,90 €
Kinderzuschlag3 × 60,60 €181,80 €—
Alleinverdienerabsetzbetrag1.101 € pro Jahr91,75 €—
MietbeihilfeSchätzung: 3 Zimmer, 1.500 € Miete730,00 €—
Familienbonus Plus—254,00 €
Verfügbar pro Monat4.424,10 €5.102,50 €

Die Differenz beträgt 678 € pro Monat. Dafür leisten die beiden Vollzeitbeschäftigten gemeinsam rund 333 Arbeitsstunden im Monat.

03 — Pro Arbeitsstunde

Rund 2 Euro für jede Stunde

678 €
mehr pro Monat für die Familie mit zwei Vollzeitjobs
333
Arbeitsstunden leisten beide Eltern zusammen pro Monat
2,03 €
finanzieller Mehrertrag je geleisteter Arbeitsstunde

Ich behaupte nicht, dass Sozialleistungen zu hoch sind. Ich stelle eine andere Frage: Setzen wir mit unserem heutigen System ausreichend Anreize, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen?

„Ist ein Abstand von 678 Euro zwischen einer Familie ohne Erwerbseinkommen und einer Familie mit zwei Vollzeitbeschäftigten wirklich das Signal, das ein Sozialstaat senden möchte?“Jael Loutati

04 — Die eigentliche Frage

Nicht ob, sondern wie groß der Abstand sein soll

Die Diskussion sollte aus meiner Sicht nicht lauten, ob wir einen Sozialstaat wollen — den will ich ausdrücklich. Dieselbe Mechanik zeigt sich bei der Teilzeit-Falle und beim Unterstützungsfonds für Alleinerziehende: Entscheidend ist, was von zusätzlicher Arbeit tatsächlich bleibt.

„Wie groß soll der finanzielle Abstand zwischen Erwerbstätigkeit und Transferbezug sein, damit sich Arbeit wieder sichtbar lohnt?“Jael Loutati

Quellen & Grundlagen: eigene Modellrechnung — Familie mit drei Kindern (3, 10 und 12 Jahre) in Wien; beide Eltern je 2.251 € brutto, Nettowerte inkl. Sonderzahlungen; je Elternteil 166,7 Arbeitsstunden pro Monat. Die Mietbeihilfe ist mit 730 € geschätzt und kann je nach Einzelfall abweichen. Die Berechnung stellt ein Modellbeispiel dar und ersetzt keine individuelle Anspruchsberechnung. Diese Analyse erhebt keinen Anspruch auf absolute Wahrheit — sie will Zusammenhänge sichtbar machen und die Debatte auf eine nachvollziehbare fachliche Grundlage stellen.