Von 20 auf 40 Stunden —
und 80 % bleiben liegen
Die Hälfte aller Frauen in Österreich arbeitet Teilzeit. Wer aufstockt, sieht von der Mehrarbeit oft kaum etwas — und über die Anreize, das zu ändern, forscht fast niemand.
Über Teilzeit wird viel geschrieben — meist über die Gründe. Selten über die Rechnung dahinter. Dabei ist gerade sie es, die vielen Frauen die Entscheidung praktisch abnimmt.
Aufstocken lohnt sich rechnerisch kaum
Erhöht eine Frau mit Betreuungspflichten ihr Stundenausmaß von 50 auf 100 %, verdoppelt sich zwar das Brutto — vom zusätzlichen Geld bleibt aber wenig übrig. Höhere Lohnsteuer und Sozialversicherung, wegfallende Beihilfen und Absetzbeträge sowie zusätzliche Betreuungskosten zehren den Großteil auf. Unterm Strich verliert sie rund 80 % des Zugewinns.
Wer von 20 auf 40 Stunden aufstockt, verdoppelt die Arbeit — aber längst nicht das, was am Konto ankommt.Jael Loutati
Der blinde Fleck der Forschung
Es gibt zahllose Studien darüber, warum in Teilzeit gearbeitet wird. Aber kaum eine, die erhebt, welche Anreize geschaffen werden müssten, damit Teilzeitkräfte bereit wären, ihre Stundenverpflichtung zu erhöhen. Solange die Rechnung so aussieht, ist Teilzeit für viele nicht Wunsch, sondern Konsequenz.
„Zeig mir die Rechnung“
Auf diese Zahl kam die Rückfrage: „Ich würde gern das Rechenbeispiel sehen für die Aussage, dass eine Person 80 % ihres Geldes verliert, wenn sie von 20 auf 40 Wochenstunden erhöht.“
Berechtigt — und gut dokumentiert. Die effektiven Grenzbelastungen für Zweitverdienerinnen in Österreich zählen zu den höchsten im OECD-Raum. Der OECD Economic Survey: Austria 2024 rechnet genau dieses Zusammenspiel durch: Steuerprogression, Sozialabgaben, einkommensabhängige Transfers und Betreuungskosten.