Die Aktivpension: warum belohnen wir Mehrarbeit erst in der Pension?
Österreich braucht mehr Arbeitsvolumen — darüber besteht politisch weitgehend Einigkeit. Ab 2027 soll Weiterarbeiten nach dem Pensionsalter steuerlich belohnt werden. Ein guter Gedanke. Nur: Warum wenden wir dieselbe Logik erst mit 65 an?
Ein steuerlicher Anreiz, länger zu arbeiten
Ein besonders interessanter Ansatz soll ab 2027 mit der Aktivpension kommen: Wer das gesetzliche Pensionsalter erreicht hat und trotzdem weiterarbeitet, soll für dieses Erwerbseinkommen steuerlich begünstigt werden.
Die Begründung ist nachvollziehbar: Arbeiten soll sich auch nach Erreichen des Pensionsalters finanziell lohnen. Wer länger im Erwerbsleben bleibt, soll dafür nicht steuerlich bestraft werden.
Dieselbe Logik, zwei sehr unterschiedliche Fälle
Wenn eine geringere steuerliche Belastung Menschen motivieren kann, mehr zu arbeiten — warum gilt dieser Gedanke nur im Pensionsalter?
In beiden Fällen verfolgen wir eigentlich dasselbe Ziel: zusätzliches Arbeitsvolumen mobilisieren. Der Unterschied liegt nur darin, wo dieses zusätzliche Arbeitsvolumen herkommen soll.
Vielleicht sollten wir das Prinzip früher anwenden
Wenn die Bundesregierung davon ausgeht, dass eine geringere Belastung zusätzlichen Einkommens einen Pensionisten zum Weiterarbeiten bewegen kann, wäre interessant zu untersuchen, ob derselbe Mechanismus auch bei Teilzeitbeschäftigten funktioniert.
Ein Beispiel: Eine Arbeitnehmerin arbeitet 25 Stunden. Was passiert, wenn nicht ihr gesamtes Einkommen steuerlich begünstigt wird, sondern ausschließlich jenes Einkommen, das durch eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit entsteht? Oder wenn die Arbeitnehmer-SV auf das zusätzliche Einkommen geringer ausfällt?
„Würde sie dann 30 Stunden arbeiten? 35? Oder trotzdem bei 25 bleiben?“Jael Loutati
Das ist keine rhetorische Frage — sie ist empirisch zu beantworten. Und genau das sollte man tun, bevor man einen Anreiz auf eine Altersgruppe beschränkt.
Nicht jede Steuerbegünstigung schafft zusätzliche Arbeit
Man darf nicht automatisch unterstellen, dass niedrigere Steuern zu mehr Arbeitsstunden führen. Auch bei der Aktivpension stellt sich die Frage nach dem Mitnahmeeffekt: Wie viele Menschen hätten ohnehin weitergearbeitet und erhalten nun lediglich eine steuerliche Begünstigung dafür?
Deshalb sollte bei beiden Gruppen — Pensionistinnen wie Teilzeitbeschäftigten — dieselbe Frage gestellt werden:
„Wie viele zusätzliche Arbeitsstunden entstehen tatsächlich je Euro steuerlicher Entlastung?“Jael Loutati
Wenn wir Erwerbsarbeit steuerlich fördern wollen, sollte nicht das Lebensalter darüber entscheiden, ob ein zusätzlicher Arbeitsanreiz sinnvoll erscheint. Entscheidend sollte sein, wo zusätzliches Arbeitsvolumen tatsächlich mobilisiert werden kann.