Teilzeit: Betreuungsproblem oder
gesellschaftlich finanzierter Lebensstil?
Die Arbeitszeit in Österreich sinkt — nicht, weil Vollzeitkräfte weniger arbeiten, sondern weil mehr Teilzeit gearbeitet wird. Die Gründe dafür überraschen.
Aber nicht bei den Vollzeitkräften
2005 betrug die durchschnittliche Normalarbeitszeit (Voll- und Teilzeit) noch 39,4 Stunden pro Woche. 2025 sind es nur noch 35,5 Stunden.
Wer Vollzeit arbeitet, arbeitet dagegen nahezu unverändert: Männer 42 Stunden, Frauen 40,9 Stunden. Der Rückgang der durchschnittlichen Arbeitszeit ist also vor allem auf mehr Teilzeit und weniger Mehr- und Überstunden zurückzuführen.
Und trotzdem sinkt der Durchschnitt
Gleichzeitig ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen stark gestiegen. Waren 1995 erst 54 % der Frauen erwerbstätig, sind es heute bereits 69 %. Die spannende Frage lautet aber: Warum arbeiten so viele Frauen Teilzeit?
Der häufigste Grund ist nicht der erwartete
Von den teilzeitbeschäftigten Frauen mit Betreuungspflichten sagen:
Auch bei den 91.300 Nichterwerbspersonen mit Betreuungspflichten (95 % davon Frauen) zeigt sich ein ähnliches Bild: 73,6 % geben an, dass sie die Betreuung schlicht selbst übernehmen möchten.
Je höher der Abschluss, desto öfter der Wunsch nach weniger Arbeit
Meine Vermutung: Höher Qualifizierte verdienen auch in Teilzeit oft ausreichend gut. Gleichzeitig ist der finanzielle Ertrag jeder zusätzlichen Arbeitsstunde durch Steuern und Sozialversicherung geringer, als viele erwarten. Dadurch wird Teilzeit wirtschaftlich attraktiver.
Die Statistik beweist diese Erklärung nicht. Sie zeigt aber einen bemerkenswerten Zusammenhang.Jael Loutati
Die eigentliche politische Frage
Sie lautet daher nicht mehr: Fehlen Betreuungsplätze? Sondern: Setzen wir heute finanzielle Anreize, die Teilzeit attraktiver machen als zusätzliche Arbeitsleistung?
Wenn fast 70 % der betroffenen Frauen angeben, die Betreuung bewusst selbst übernehmen zu wollen, spricht vieles dafür, dass Teilzeit zumindest nicht überwiegend eine Folge fehlender Betreuungsangebote ist, sondern vielfach eine bewusste Lebensentscheidung. Ob und in welchem Ausmaß der Staat diese Entscheidung finanziell mittragen soll, ist letztlich eine politische Grundsatzfrage.