9 Wochen Ferien —
wer soll die Betreuung bezahlen?
Über eine Verkürzung der Sommerferien wird heftig diskutiert. Bevor wir eine große Förderung beschließen, lohnt eine unbequemere Frage: Entlasten wir damit Familien — oder schaffen wir tatsächlich mehr Erwerbsarbeit? Das ist nicht dasselbe.
Was die Ferien kosten — und wer überhaupt zahlt
Neun Wochen Sommerferien sind für viele Eltern nicht nur Erholung, sondern ein organisatorisches und finanzielles Problem. Die Zahlen einer aktuellen Befragung zeigen deutlich, wie unterschiedlich die Betroffenheit ist.
Die letzte Zahl ist die entscheidende: Weniger als die Hälfte nutzt überhaupt bezahlte Betreuung. Eine Leistung, die allen gleichermaßen zugutekommt, würde also zu einem großen Teil dort ankommen, wo gar kein Betreuungsproblem besteht.
Gießkanne oder treffsicher?
Ferienbetreuung generell kostenlos anzubieten oder für alle Familien gleichermaßen zu fördern, würde auch jene entlasten, deren Erwerbstätigkeit durch die Betreuungskosten gar nicht beeinflusst wird. Aus meiner Sicht wäre das der falsche Weg.
Denkbar wäre ein eigener Absetzbetrag für tatsächlich angefallene Ferienbetreuungskosten, alternativ zumindest ein Freibetrag. Voraussetzung könnte sein, dass die Betreuung tatsächlich in Anspruch genommen und bezahlt wurde und beide Eltern erwerbstätig sind. Alleinerziehende müssten selbstverständlich entsprechend berücksichtigt werden.
Aber schafft das tatsächlich mehr Erwerbsarbeit?
Genau hier fehlt mir in der Diskussion eine entscheidende Information. Die Umfrage sagt uns, wie viele Eltern Ferienbetreuung als Belastung empfinden. Sie sagt uns aber nicht, ob diese Kosten ihr Erwerbsausmaß beeinflussen. Für die Gestaltung von Erwerbsanreizen ist das ein erheblicher Unterschied.
Eine Familie, die heute 500 € für Ferienbetreuung zahlt und unabhängig davon unverändert weiterarbeitet, würde durch einen Absetzbetrag finanziell entlastet — zusätzliche Arbeitsstunden entstehen dadurch aber nicht. Anders sieht es aus, wenn Eltern wegen der Betreuungskosten ihre Arbeitszeit reduzieren, Urlaub aufteilen oder eine gewünschte Stundenerhöhung unterlassen.
Familienentlastung ist nicht dasselbe wie Erwerbsanreiz
Deshalb würde ich vor einer größeren Fördermaßnahme eine andere Frage stellen: Wie viele zusätzliche Arbeitsstunden könnten durch die Förderung von Ferienbetreuung tatsächlich mobilisiert werden? Dazu müsste man Teilzeitbeschäftigte konkret fragen:
„Wenn Ihre Kosten für Ferienbetreuung übernommen würden: Würden Sie Ihre Arbeitszeit erhöhen? Wenn ja, um wie viele Wochenstunden?“Jael Loutati
Erst dann lässt sich unterscheiden zwischen Familienentlastung und Erwerbsanreiz. Beides kann politisch gewollt sein. Aber es sind zwei unterschiedliche Ziele — und sie sollten auch als solche benannt werden.
Vielleicht sind nicht die Ferien das Problem
Interessant ist eine andere Zahl: Nur ein Teil der Befragten will die Ferien überhaupt kürzer — und eine große Mehrheit hält sie für wichtig.
Wenn 86 % die neun Wochen als wichtige Erholungsphase für Kinder sehen und nur 49 % sie kürzen wollen, dann lautet die eigentliche Frage vielleicht gar nicht „Sind neun Wochen zu lang?“, sondern:
„Wie organisieren wir neun Wochen so, dass Eltern arbeiten können, ohne dass Familien dafür unverhältnismäßig hohe Kosten entstehen?“Jael Loutati