Österreich ist ein Steuerparadies — für die, die es verstehen
Laut Gesetz muss niemand Steuerrecht können, und eine Steuerberaterpflicht gibt es nicht. Genau das kostet Unternehmerinnen und Unternehmer jedes Jahr viel Geld.
Über Steuern spricht man in Österreich nicht gern. Dabei entscheidet oft nicht die Leistung darüber, wie viel vom eigenen unternehmerischen Erfolg übrig bleibt, sondern das Wissen über das System. Wer versteht, wie Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Gewinnermittlung zusammenspielen, nutzt Spielräume, die anderen verborgen bleiben.
Ich sehe das in meiner Arbeit immer wieder: Gründerinnen mit ähnlichen Umsätzen kommen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen — allein wegen ihres Umgangs mit den eigenen Zahlen.
Nicht Leistung, sondern gute Steuer-Kenntnisse entscheiden oft, wie viel vom eigenen Erfolg bleibt.Jael Loutati
Vier Fehler, die immer wieder Geld kosten
Aus meiner Erfahrung lassen sich vier Typen erkennen, die sich über zu hohe Steuern beschweren:
- Typ 1 zahlt gar keine Steuern — und beschwert sich trotzdem.
- Typ 2 wendet die falsche Gewinnermittlung an.
- Typ 3 arbeitet mit der falschen Rechtsform.
- Typ 4 macht inhaltliche Fehler und verliert zum Beispiel Rechnungen.
Jeder sollte zumindest in der Lage sein, die eigene Buchhaltung auf Plausibilität zu prüfen. Wer nicht weiß, was Soll und Haben ist und was die Zahlen bedeuten, kann sie weder lesen noch als Steuerungsinstrument nutzen.
„Dafür gibt es doch Berater"
Stimmt — und trotzdem braucht es das Grundwissen. Man kann Beraterinnen und Beratern nur dann die richtigen Fragen stellen, wenn man sich selbst auskennt. Und auch Berater machen Fehler, die man ohne eigenes Verständnis übersieht.
Mein Rat an alle, die gründen wollen: erst beraten lassen, dann gründen. Niemals andersherum — sonst verliert man viel Geld und viele Möglichkeiten. Je mehr man versteht, desto kleiner wird die Angst vor dem Thema. Man gewinnt Selbstsicherheit, Rechtssicherheit und Vertrauen in den Staat.