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Wie hoch ist die
Belastung durch Arbeit wirklich?

Teil zwei meiner Auswertung: nicht mehr, welche Gruppe wie viel zum Ganzen beiträgt — sondern wie viel Prozent ihres Einkommens jede Gruppe im Schnitt an Sozialversicherung und Lohnsteuer zahlt.

Im vorigen Beitrag ging es um die Frage, welche Einkommensgruppe welchen Beitrag zum Gesamtaufkommen leistet. Hier geht es um die andere Seite: wie hoch die Belastung innerhalb jeder Gruppe ist — also wie stark der Faktor „Arbeit“ prozentual zu Buche schlägt.

Weil es um die Belastung der Dienstnehmer:innen und Pensionist:innen geht, sind die Dienstgeberbeiträge hier nicht berücksichtigt. Die tatsächliche Belastung hängt natürlich vom individuellen Brutto ab. Auch diese Rechnung ist wieder vor Absetzbeträgen und vor Negativsteuer.

Negativsteuer ist dabei ein Betrag aus der Sozialversicherung, der zunächst eingehoben und später im Zuge der Veranlagung teilweise von der Finanzverwaltung zurückerstattet wird.

Die Belastung je Gruppe

Durchschnittliche Belastung aus SV + Lohnsteuer

0 – 2.000 €6,84 %
2 – 4.000 €9,15 %
4 – 6.000 €9,68 %
6 – 8.000 €9,03 %
8 – 10.000 €11,36 %
10 – 12.000 €11,59 %
12 – 15.000 €11,89 %
15 – 18.000 €9,98 %
18 – 20.000 €11,49 %
20 – 25.000 €12,88 %
25 – 30.000 €16,07 %
30 – 35.000 €19,48 %
35 – 40.000 €22,17 %
40 – 50.000 €24,60 %
50 – 70.000 €28,13 %
70 – 100.000 €32,19 %
100 – 150.000 €34,41 %
150 – 200.000 €36,18 %
über 200.000 €39,12 %

Durchschnittliche Belastung aus SV + Lohnsteuer je Einkommensgruppe (ohne DG-Beiträge, vor Absetzbeträgen und Negativsteuer).

Warum ich das nachgerechnet habe

Politik und Medien sprechen von einer Abgabenbelastung von knapp unter 50 %. Nur: Was diese Zahl ausdrücken soll, wird selten sauber kommuniziert.

Die Abgabenquote ergibt sich vereinfacht aus Steuern + Sozialversicherung ÷ BIP. Die Formel ist korrekt — aber sie zeigt etwas anderes, als viele meinen: nämlich, welcher Anteil der gesamten Wirtschaftsleistung an den Staat geht. Am BIP sind aber auch Kapitalgesellschaften beteiligt. Die Kennzahl sagt daher wenig darüber aus, wie stark der einzelne Mensch durch seine Arbeit belastet ist.

Fast 50 % klingt dramatisch — aber die Abgabenquote misst die Wirtschaftsleistung, nicht die Last auf dem einzelnen Lohnzettel.Jael Loutati

Wohin das führt

Mich interessiert, wie man die Mittelschicht — aus meiner Sicht die am stärksten belastete Gruppe — entlasten könnte, ohne die Einnahmenseite des Staates aus dem Blick zu verlieren. Ich habe dazu zwei Modelle durchgerechnet, die die Mitte entlasten, aber gegenfinanziert werden müssten. Im Zuge dieser Rechnungen verstehe ich besser, wie schwierig es die Politik an dieser Stelle tatsächlich hat.

Inzwischen glaube ich, man müsste die Sozialversicherung anders finanzieren. Wie genau, überlege ich noch. Wer gute Ideen hat: gerne teilen.

Zur Einordnung: Datengrundlage ist die Statistik „Lohnsteuer 2024“ der Statistik Austria. Werte ohne Dienstgeberbeiträge, vor Absetzbeträgen und Negativsteuer, als Durchschnitt je Gruppe. Hinweis der Autorin: „Ich mache das aus Spaß — ich liebe Zahlen und Systeme und beobachte, wie sie wirken. Es ist keine wissenschaftliche Arbeit; Fehler können vorkommen und werden gern korrigiert.“